Vintage Bike Guide – die Welt der Stahlklassiker 7. Blink blink blink Selbst als das gesamte Peloton schon längst auf Carbon unterwegs war, war deutschmedial das meistverwendete Attribut für alles, was mit dem Rennrad zu tun hatte, „blitzend“. Blitzende Speichen, blitzende Rennmaschinen, blitzende Ketten und Kränze, blitzende Sonne über dem blitzenden Mittelmeer, blitzender Lack, blitzender Chrom, ja sogar blitzende Beine. Weil rasiert. Wer tut so was? Man nennt solche Schreiberlinge auch „Einworthasen“. "Blink blink" - auch am Carbonrad Und doch war es nachvollziehbar. Denn ein gutes Rennrad musste blitzen, dafür wurde geputzt und poliert, was der Lappen hergab! Das gilt auch heute noch für alle Stellen, an denen blankes Metall hervorlugt. Hallo? Selbstverständlich benutze ich zur Fahrradpflege Q-Tipps. Was denn sonst? Chrom war früher weit verbreitet, aber ursprünglich nicht als Design-Element, sondern zum Schutz vor Korrosion. So wurden vor al...
Vintage Bike Guide – die Welt der Stahlklassiker Vor ein paar Sommern saß ich mit einem Freund vor der wundervollen Bar Roosen auf St. Pauli, und während wir über dies und das plauderten, rollte ein Mädel auf einem alten Rennrad vor uns die Straße entlang; ich nippte an meinem Cappuccino und ein Typ auf einem alten Rennrad zog an uns vorbei, ihm kam ein anderer Typ auf einem Rennrad entgegen und dann kam auch schon das nächste alte Rennrad herbeigefahren. Auf einmal umcruisten mich überall Pinarellos, Peugeots, Gios Torinos, Merciers, Eddy Merckxens ... Die Träume meiner Jugend, die Crème de la crème des Achtziger-Jahre-Rahmenbaus. Nanu, was war denn hier los? Man kann der Großstadtjugend ja einiges vorwerfen, zu nennen wären absurde Bärte, T-Shirts mit riesigrotem Levi’s-Emblem, laktosefreier Chai Latte Macchiato, glutenfreier Veganismus, überhaupt Orthorexie. Aber das hier ist mal ein Trend genau nach meinem Geschmack: Alte Rennräder sind total angesagt. Gute Sache. Nur, w...
Vintage Bike Guide – die Welt der Stahlklassiker 3. Der Randonneur Raleigh-Katalog Euer Objekt der Begierde ist mit Schutzblechen, Beleuchtung und einem Gepäckträger ausgestattet? In diesem Fall handelt es sich um einen sogenannten Randonneur; das waren sportliche Reiseräder, die Ende der Siebziger Jahre zuhauf an jedem Schulhof zu finden waren. Sie boten solide Technik zu einem fairen Preis und verbanden Sportlichkeit mit praktischem Nutzen: Schnell die Badeklamotten auf den Gepäckträger geklemmt und ab ging’s mit Annette, Jens und Birgit zum nächsten Baggersee! Das war der Sommer ՚82. Erfunden haben dieses äußerst lässige Rad, wie der Name schon erahnen lässt, die Franzosen, und von daher stammen die schönsten Exemplare auch von Marken wie Motobecane, Peugeot, Mercier, Gitane. Für uns deutsche Bengel hieß es trotzdem Rennrad. Hauptsache, gebogener Lenker. Für Frauen gab es Mixte-Rennräder mit niedrigerem Oberrohr und flachem Lenker. Très chic! Wer einen...